29. März 2018

Bittersüße Zukunft

Vom 10. bis 17. Februar fand in Ghana erneut ein Exposure- und Dialogprogramm zum Kakaoanbau statt. Dabei tauchten 14 Entscheider/-innen aus der Schokoladen- und Kakaoindustrie, des Deutschen Bundetages sowie aus Wissenschaft und Lehre in die Lebens- und Arbeitswelt von Kakaobäuerinnen und -bauern ein. Drei Tage lang lebten sie bei ihnen und arbeiteten auf ihren landwirtschaftlichen Betrieben mit, um sich hautnah ein Bild ihrer Lebensumstände zu machen und mit ihnen persönlich in Beziehung zu treten.

Die Teilnehmenden zeigten sich erstaunt darüber, wie oft fundamentale soziale Basisdienste und Infrastrukturangebote unzureichend entwickelt seien, die die Zukunftsfähigkeit der Kakaoproduktion eklatant gefährdeten. Eine zentrale Lernerfahrung war, dass die Ertüchtigung der Bauern und Bäuerinnen in betriebswirtschaftlichen und pflanzenbaulichen Praktiken, sowie die effektive Unterstützung bei der Organisationsentwicklung von Erzeugergemeinschaften und Genossenschaften beherzter und konsequenter angegangen werden müssten.

Es gäbe vielversprechende Initiativen seitens der Industrie (CocoaAction), der standardsetzenden Organisationen (FairTrade), der Zivilgesellschaft (bspw. CARE International) und der staatlichen Entwicklungszusammenarbeit (Farmer Business Schools), um nur einige zu nennen. Häufig fehlte diesen Maßnahmen – so der Eindruck der Teilnehmenden – jedoch die flächendeckende und langfristige Perspektive, um notwendige Veränderungen tatsächlich nachhaltig in Gang zu setzen.

Darüber hinaus sollten vor Ort dringend Fehlanreize, die beispielsweise vom herrschenden Landnutzungsrecht oder unflexiblen Vermarktungsmechanismen ausgehen, überwunden werden. Auch effizientere Mechanismen zur Mengensteuerung und Preisgestaltung müssten dringend ausgehandelt und implementiert werden. Eine einfache Festsetzung von Mindestpreisen werde dieser Herausforderung nicht gerecht. Hierzu sei vor allem die nationale Politik gefordert, aber auch die internationalen Akteure sollten wirksamere Impulse und verbindliche Regeln setzen und die notwendige Unterstützung zur Umsetzung von Innovationen beisteuern.

Der Exposure- und Dialogprogramme e.V. hat die Teilnehmenden zusammengeführt, um von unterschiedlichen Kontexten ausgehend die Perspektive der Kakaobauern einzunehmen und daran anknüpfend einen Dialog mit Verantwortungsträgern vor Ort (u.a. Ghana Cocoa Board -COCOBOD, World Cocoa Foundation) in Gang zu setzen, bei dem darüber nachgedacht werden soll, wie die Potentiale der Kakaowirtschaft nachhaltig und zukunftssicher genutzt und die Lebensbedingungen der Bauern verbessert werden könnten.
So lange die Armut in den produzierenden Dorfgemeinschaften nicht signifikant vermindert wird, werden nachfolgende Generationen diesen Erwerbszweig nicht weiter verfolgen. Dadurch bliebe ein bedeutendes breitenwirksames Wirtschaftspotential Ghanas im ländlichen Raum ungenutzt.