20. Juni 2017

EDP plus: Kakao-Sektor Kooperation in Ghana stärken

Auf Initiative des EDP e.V. konnte der neue Chef des Ghana Cocoa Board an einer Konferenz in Berlin über entwaldungsfreie Lieferketten von Soja, Palmöl und Kakao teilnehmen. EDP Referent Jörg Hilgers nutzte die Gelegenheit, mit Joseph B. Aidoo das neue EDP-plus Vorhaben (2017-2020) zur Stärkung der Zusammenarbeit der im ghanaischen Kakao-Sektor engagierten Akteure zu besprechen.


Dialog mit Joseph B. Aidoo, Chief Executive COCOBOD

Als Key Note Speaker des gemeinsam mit CARE im Februar veranstalteten Cocoa Stakeholder Dialoges hatte Mr Aidoo zentrale Lernergebnisse von EDP Teilnehmenden engagiert aufgegriffen. Die Erfahrungen bei und mit den Kakaobäuerinnen verdeutlichten die Relevanz der Reformbemühungen innerhalb der Behörde und im Sektor, die Mr Aidoo andeutete. Ghanaische Vertreter*innen weiterer Regierungsbehörden, von Kakaounternehmen und NROs hatten deutlich gemacht, dass eine Wiederbelebung der COCOA PLATFORM der ghanaischen Kakaobehörde und des UNDP sowie eine Vertiefung des Engagements des als COCOA ACTION firmierenden Zusammenschlusses der Privatwirtschaft nötig sei, um die Lebensumstände in den Kakaoanbaugebieten nachhaltig zu verbessern.


Neues Vorhaben stärkt die Zusammenarbeit in Ghana

Der EDP e.V. beabsichtigt, die Schlüsselakteure dieser Initiativen zu einem Aufbau einer sektorweiten Multi-Stakeholder Partnerschaft zu motivieren, in der auch bäuerliche Genossenschaften und einheimische NROs mehr Gewicht erhalten. Das Vorhaben ist komplex und durchaus konfliktiv, denn es tangiert Rollenverständnisse und Machtverhältnisse, deren Veränderung nur von den Verantwortlichen im Land ausgehen kann. Dafür können internationale Unternehmen und NROs Impulse liefern. Dass die vertiefte Wahrnehmung von Armutsbedingungen mittels EDP eine Anreizfunktion auch für einheimische Akteure übernehmen kann, war im Februar sehr deutlich geworden. Als die internationale Teilnehmergruppe fachlich fundierte Exposure Einsichten zur Diskussion stellte, entstand eine lebhafte Debatte unter den ghanaischen Verantwortlichen. Ein willkommener Anlass, den EDP Wirkungsradius gezielt in Richtung Gastgeberland zu erweitern.


Multi-Stakeholder Prozesse zusammen führen?

In Berlin traf Joseph B. Aidoo neben Vertretern des Forums Nachhaltiger Kakao, in dem sich der EDP e.V. engagiert, auch Rick Scobey von der WORLD COCOA FOUNDATION, dem Zusammenschluss der Rohkakao-Verarbeiter und Schokoladenindustrie. Mr Scobey signalisierte Interesse für das neue, auf drei Jahre geplante EDP Vorhaben.

Zur Verbesserung der Verhältnisse in Kakaoanbauregionen gehören auch die mit der Agenda 2030 verknüpfte Forderung, Entwaldung zu stoppen und Biodiversität zu stärken. Die Organisatoren des von BMZ und BMEL veranstalteten Multi-Stakeholder Dialoges zeigten sich überrascht von dem großen Interesse an der Konferenz. Die sieben (7) europäischen Unterzeichnerstaaten der ‚Amsterdam Declarations‘, aber auch die beteiligte Privatwirtschaft sowie Vertreter*innen von Wissenschaft und Zivilgesellschaft sehen die Berliner Konferenz als Signal einer größeren Verantwortung der EU in diversen Lieferketten gegenüber Partnern und Regierungen in den Erzeugerländern. BMZ Staatssekretär Thomas Silberhorn sprach davon, dass das Engagement der Konferenzteilnehmer damit auch für Deutschland als Gastgeberin des in zwei Wochen stattfindenden G20 Gipfels von Bedeutung sei. So wurde mit dem Konzept der territorialen Jurisdiktion u.a. seitens BMZ und GIZ auch die Eigenverantwortlichkeit der nationalen Regierungen bei der Gestaltung einer entwaldungsfreien Landnutzung unterstrichen, v.a. dort, wo einheimische und internationale Unternehmen Lebensmittelrohstoffe anbauen (wollen).


Deforestation-free value chain management in Ghana?

Mit Blick auf traditionelle Landnutzungs- und Eigentumsrechte, die dem ghanaischen Kakaoanbau zugrunde liegen, favorisiert Joseph B. Aidoo bei Waldschutz und Aufforstung allerdings das Prinzip „Freiwilligkeit vor staatlicher Regulierung“. Die (Kakao-) Bauern haben -so Aidoo- keine wirtschaftlichen Verwertungsansprüche bei Baumpflanzungen, die zum Beispiel für Bau- und Möbelwirtschaft genutzt werden könnten. Verfassungsrechtlich seien diese Eigentum des Staates. Somit fehlten wirtschaftliche Anreize, Aufforstung zu betreiben. Zielführender sei es, die dringend benötigte Verjüngung der Kakaoplantagen als genuinen Bestandteil eines wirtschaftlich profitablen Agroforstsystems voran zu treiben, in dem nach Kriterien guter agrarischer Praktiken großwachsende Schattenbäume gepflanzt werden. Eine wichtige Aufgabe seiner Kakaobehörde sei daher auch, die Bauern zur mechanischen Blütenbestäubung (‚hand polination‘) und zur Bewässerung vor allem der jungen Kakaobäume zu bewegen, um die Erträge zu steigern. Dies sei überhaupt die wichtigste Strategie Entwaldung vorzubeugen. Würde der Kakaoanbau nicht deutlich effizienter werden und existenzsichernde Erträge liefern, würde der Bestand der Pflanzungen aufgrund von Krankheiten und Nichtbewirtschaftung weiter dezimiert.


Reality-check durch EDP: Goldabbau bedroht Kinderrechte und Klima

Im Februar konnten sich die EDP Teilnehmenden von der Richtigkeit dieser These überzeugen. Wird der Kakaoanbau für die bäuerlichen Familien unattraktiv und stellen sie daraufhin die Bewirtschaftung ein, dürfen die traditionellen Landeigentümer die Fläche anderen Nutzungen zuführen. Kakaoplantagen werden von Investoren gerodet, die nicht selten menschenrechtlich fragwürdige und klimaschädliche Goldminen anlegen, in denen die schlimmsten Formen der Kinderarbeit die Regel ist.

Der EDP e.V. dankt dem BMZ, mit der Beteiligung des Chief Executive Officers von COCOBOD an der Konferenz der Amsterdam Gruppe, einem afrikanischen Entscheider die Mitwirkung an einem politisch relevanten Dialog auf europäischer Ebene zu ermöglichen.

Von Jörg Hilgers