06. November 2018

Interreligiöser Dialog, der Gewalt abbaut und die friedensstiftende Kraft von Religionen freisetzt.

Exposure- und Dialogprogramm (EDP) in Kenia

Die friedensstiftende Kraft von Religionen haben wir sehr konkret erfahren. Es sind zuerst von ihrem Glauben inspirierte glaubwürdige Menschen, die vor Ort in geduldigem Dialog und Zusammenleben zu einem friedlichen und inklusiven Miteinander anstiften können, die gewaltbasierte Traditionen langsam aber nachhaltig verändern“,  so lautet das Fazit von Prof. Dr. Gerhard Justenhoven, Direktor des Instituts für Theologie und Frieden in Hamburg und Justitia et Pax Mitglied, zum Abschluss des EDP in Kenia zum Thema „Power of Religion in Peace Building“, und weiter: „Diese Lektion müssen wir in unseren deutschen Diskurs um Frieden, Sicherheit und Ent­wicklung einbringen“. Religiöse Führer oder Amtsträger und ihre Organisatio­nen unterstützen und trainieren Friedens- und Menschenrechtsaktivisten und vernetzen sie mit Entscheidungsträ­gern. Dass Religionsgemeinschaften so aktiv und nachhaltig zur Gewaltminderung in ihren Gesellschaften beitragen, erlebten die Teilnehmenden in ihren Gastfamilien im Exposure. Diese Initiativen in interreligiöser Abstimmung und Zusammenarbeit gemeinsam zu gestalten, sei Voraussetzung und Erfolgsfaktor für das Gelingen gerade in aufgeheizten Konfliktsituationen, wie etwa in Kenia bei den Wahlen in 2017. „Die Faith-based Organisations haben hier sehr viel für einen gerechten Frie­den und auf Versöhnung hin geleistet“, hieß es in der Auswertung des Pro­gramms der Teilnehmer/innen übereinstimmend.

Der EDP e.V. hat dieses Programm vom 24. bis 31. Oktober 2018 im Auftrag des GIZ Sektorvorhabens Werte, Religion und Entwicklung, gemeinsam mit der AGEH und ihren Partnern im Zivilen Friedensdienst in Kenia durchgeführt mit finanzieller Förderung des BMZ. 12 Teilnehmende aus staatlicher Entwick­lungs­­­zusammenarbeit, Wissenschaft, kirchlichem Werk u.a. lebten für drei Tage bei ehrenamtlichen Akteuren der Friedensarbeit und tauchten in ihr Lebens- und Arbeitsumfeld ein. So lernten sie kennen, wie interreligiöser Dialog und Zusammenarbeit auf Gemeindeebene konkret vollzogen und das Potential von religiösen Wertorientierungen für ein gewaltfreies Zusammen­leben nutzbar gemacht werden kann. Beispiele waren die:

  • Mediation von Alltagskonflikten im Zusammenleben von Christen und Muslimen und die Rechtsberatung von (zumeist) muslimischen Frauen durch den Coast Interfaith Council of Clerics in Kenias Küstenregion
  • Konfliktmediation zwischen den Ethnien der Borana und Rendile in Marsabit und Ausbildung von Peace Ambassadors im Kontext einer traditionell verankerten ‚Kriegerkultur‘, vor allem durch das Horn of Africa Peace Forum

  • Vermittlung in Konflikten z.B. bei den jüngsten Wahlen in 2017 und Traumabearbeitung nach Gewaltdelikten in Slumgebieten durch Justice and Peace Akteure der Erzdiözese Nairobi sowie Stärkung des gesellschaftlichen Zusammenhalts durch religiös inspirierte Jugend­(sozial)arbeit in verschiedenen muslimischen und christlichen Gemeinden der kenianischen Hauptstadt.


Der abschließende Dialogworkshop fand am 30. Okt. am Tangaza University College (Nairobi) statt, das akademische Ausbildung im interreligiösen Dialog für Christen und Muslime anbietet und engagierte Freiwillige in Sachen Friedensför­de­rung und Menschenrechtsarbeit in Kursen und Seminaren aus- und fortbildet. Dort werden auch christlich-muslimische Dialoge v.a. mit Schiiten, Sunniten, Pentekostalen, Lutheranern, Anglikanern und Katholiken sowie entsprechende Kooperationsveranstaltungen durchgeführt. Hauptpartner dieses Colleges ist die islamische UMMA Universität, deren Direktor Prof. Karama die Bedeutung interreligiösen Dialogs und Zusammenarbeit beim Workshop hervorhob: „Wenn Christen und Muslime, Kirchen und Moscheen zusammenstehen, bringt das ein friedliches Zusammenleben und Entwicklung entscheidend voran: wir als Universitäten haben in Nairobi einen Anfang gemacht!“

Rev. Fr. Innocent Manganya M.Afr. von Tangaza University will die Zusammen­arbeit mit dem EDP e.V. fortsetzen: „denn auch im Hinblick auf interreligiösen Dialog und Friedensarbeit ist es von entscheidender Bedeu­tung, die Erfahrun­gen und Herausforderungen vor Ort auf der nationalen und internationalen Ebene zu kennen, zu verstehen und umgekehrt. Die Sorgen der Basis und der am meisten Verwundbaren müssen der Politik und den Leuten in der Verwal­tung nahegebracht werden, aber auch der Wissenschaft. Deshalb wollen wir unsere Zusammenarbeit mit dem EDP e.V. fortsetzen und diese Methode in unsere Programme implementieren“.

Zum Hintergrund:

Mit dem Sektorvorhaben Werte, Religion und Entwicklung haben BMZ und GIZ im Jahr 2014 begonnen, die Rolle der religiösen Organisationen bei der Umsetzung der Nachhaltigen Entwicklungsziele durch Studien, Konferenzen, Fortbildungen und Dialogveranstaltungen stärker zu thematisieren. Im Rah­men des staatlich-zivilgesellschaftlichen Gemeinschaftswerks Ziviler Friedens­dienst unterstützen staatliche, zivilgesellschaftliche und eben auch kirchliche Organisationen friedensfördernde Projekte einheimischer Partnerorganisatio­nen bereits seit 1999, zum Beispiel in Kenia. In diesem Kontext unterstützt die AGEH (Personaldienst der deutschen Katholiken) kenianische Diözesen und kirchliche Einrichtungen mithilfe integrierter Fachkräfte. In dem Exposure- und Dialogprogramm (EDP) konnten die Friedensakteure dieser Partner den Teilnehmenden persönliche Einblicke, die Vertiefung fachlicher Kenntnisse in ziviler Konflikttransformation ermöglichen; im Dialog wurden Netzwerke geknüpft und vertieft sowie Transfer beraten.

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