Wir verdanken ihm sehr viel: Dr. h.c. Karl Osner,

dem Gründungsgeschäftsführer des EDP e.V. Vielen hat er Zugänge zu Menschen in Armut und Ausgrenzung eröffnet und Wege zur Überwindung von Armut erschlossen. Die Würde und Kraft der Armen zu entdecken, Begegnung zu ermöglichen und strukturelle Allianzen zur Überwindung der Armut zu bilden, das war sein Lebensziel und Lebenswerk.

Dr. h.c. Karl Osner ist am 15. September 2014 verstorben. Geboren 1927 in Freiburg hat Karl Osner insbesondere in den 1960er und 1970er Jahren mit dem Aufbau der Deutschen Kommission Justitia et Pax, als Mitarbeiter von Misereor in deren ersten Jahren, als Gründungsgeschäftsführer der AGEH und Begründer der Exposure- und Dialogprogramme wichtige Grundlagen der kirchlichen Entwicklungszusammenarbeit gelegt. Von 1962 bis 1992 arbeitete Ministerialdirigent a.D. Osner beim Bundesministerium für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ), dort baute er die Arbeitseinheit des BMZ „Armutsbekämpfung durch Hilfe zur Selbsthilfe“ auf.

Bei der Verleihung der Ehrendoktorwürde dankte Karl Osner den „gastgebenden Familien und besonders den Frauen im Süden, die mir und vielen hier geholfen haben zu verstehen, was ein Leben in Armut und der Kampf um weniger Verletzlichkeit und mehr Sicherheit konkret bedeutet“. Ihrer Kraft und Ihrem Können widmete er seine letzte Veröffentlichung 2010 „With the strength of the powerless“, in der er Erfahrungen mit EDP beschrieb, um Prozesse strukturellen Wandels in Gang zu bringen. So wie es z.B. die Partnerorganisationen des EDP e.V. wie SEWA oder Grameen Bank zu Wege gebracht hatten.
Strukturen können verändert werden, das war eine der Grundüberzeugungen, die Herrn Osner antrieb, sowohl im staatlichen wie im kirchlichen Kontext. Ungerechte Verhältnisse sind von Menschen geschaffen, also können Menschen sie auch nachhaltig verändern. Die Selbsthilfekräfte der Armen wahrzunehmen und auf sie zu bauen, partizipativ voranzugehen, waren für Osner keine Projekttitel, sondern lebenslange persönliche Anstrengung, Lernen und Veränderung. Karl Osner war und blieb ein in gutem Sinne unbequemer Gesprächs- und Kooperationspartner, ein kritischer Begleiter bis zum Schluss. Das Ziel eines Lebens in Würde für alle, eines Lebens in Freiheit und Solidarität, in Gerechtigkeit und Frieden trieb ihn lebenslang um. Er war bereit, einen hohen Preis zu zahlen und er forderte viel von denen, die mit ihm unterwegs waren. Er hat viel investiert und viel bewegt.
Wir verdanken ihm viel und werden weiter an dem Werk bauen, dass er in jahrzehntelanger beruflicher und ehrenamtlicher Arbeit Grund gelegt hat.

Michael Steeb, Vorsitzender EDP e.V. und Geschäftsführer der AGEH
Gertrud Casel
, Geschäftsführerin des EDP e.V. und der Deutschen Kommission Justitia et Pax

 

Ehrenpromotion 2002

WOTR 1997

SEWA 1999

SEWA 1996

Studenten-EDP, SEWA 1995