16. März 2023

Folgeprozess Uganda EDP 2022: Lebensmittelversorgung für Geflüchtete bedroht

Arua / Kampala (08./13. März 2023) Die EDP-Partner in Uganda berichten von einer alarmierenden Lage. Dem Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen (UNHCR) stehen nur noch ein Drittel der zugesagten Finanzmittel in Ostafrika zur Verfügung. Davon sind auch die in Uganda lebenden Flüchtlinge betroffen, bei denen EDP-Teilnehmende im Juli 2022 zu Gast waren. "Die Menschen sind in Panik", sagt EDP-Partner Wilson Anguerini (Hummingbird Action for Peace and Development), seit den Geflüchteten, mit denen er im Rhino Refugee Settlement (Arua / Westnile) arbeitet, mitgeteilt wurde, dass die Lebensmittelhilfen drastisch gekürzt werden. Für die meisten werden sie bald ganz eingestellt.

(c) Franziska Krisch / EDP e.V.

Derzeit erhalten Flüchtlinge pro Person und Monat nur 4.1 kg Mais, 1 kg Bohnen, 50 Milliliter Speiseöl und 300 Gramm Salz. Die zunehmende Unterversorgung mit Lebensmitteln, die auf alle Flüchtlinge in Uganda in den kommenden Monaten zukommt, führt zu weiteren, massiven Einschnitten, bestätigt EDP-Dialogpartner Michael Bruce, Fachberater des Comprehensive Refugee Response Framework (CRFF) im Refugee Department of the Office of the Prime Minister (Uganda) und gleichzeitig Direktor des Uganda Humanitarian INGO Forum (HINGO).

Nach Angaben des Welternährungsprogramms (WFP) und des UNHCR sollen bald nur noch Personen mit besonderem Unterstützungsbedarf, also Kranke, ältere Menschen und stillende Mütter Nahrungsmittel erhalten.

"Die Lage der Flüchtlinge ist besorgniserregend. Die fortgesetzte Kürzung der Nahrungsmittelquoten stellt eine große Bedrohung für ihre Lebensgrundlage dar. Die meisten Flüchtlinge, die in den ländlichen Siedlungen leben, sind hauptsächlich von den Nahrungsmittelkontingenten abhängig und haben nur wenige andere Möglichkeiten, ihren Lebensunterhalt zu bestreiten. Einige haben versucht, Nahrungsmittel anzubauen, aber wegen unregelmäßiger Regenfälle und Trockenheit sind die Ernteerträge zu gering, um die eigene Familie zu ernähren", so Wilson Anguerini.

Laut einer Erklärung des ugandischen Ministers für Katastrophenschutz, Peter Ecweru, sind die Kürzungen bei den Nahrungsmitteln darauf zurückzuführen, dass die internationalen Geber dem Welternährungsprogramm und dem Flüchtlingshilfswerk nicht genügend Mittel zur Verfügung stellen, und dies wird sich fortsetzen.

Aus Arua hören wir, einige südsudanesische Flüchtlinge hätten bereits versucht, freiwillig in den Südsudan zurückzukehren, sähen sich aber oft mit massiven Sicherheitsproblemen konfrontiert. Einige wurden ermordet oder vergewaltigt, andere wurden ausgeraubt. Überlebende waren gezwungen, nach Uganda zurückzukehren. Die von der ugandischen Regierung vorgeschlagene "voluntary repatriation"(freiwillige Rückführung) sei in vielen Fällen, so Anguerini, weder freiwillig noch eine tragfähige Lösung, wenn sich die Sicherheitslage im Südsudan nicht deutlich bessert.

Michael Bruce hat in den letzten Wochen an zahlreichen Krisensitzungen zum Umgang mit diesen Kürzungen verbracht, in denen die weiteren Auswirkungen eruiert wurden. Diese, berichtet er, scheinen schlimmer zu sein als ohnehin befürchtet. Denn parallel zu den geplanten Kürzungen des UNHCR-Programms hat das WFP eine Umstellung der Rationen geplant. Dieses Modell, das bereits in den kommenden Monaten in Kraft treten soll, ist die Verschärfung einer Maßnahme, die von den Gebern seit Jahren mit Nachdruck vorangetrieben wird. In den letzten 18 Monaten wurden bereits die Rationen gekürzt und die Flüchtlinge in verschiedene Bedürftigkeitsstufen eingeteilt. Nach den Einschätzungen von EDP- Partnerorganisationen gibt es Zweifel daran, ob diese Kategorisierungen den tatsächlichen Bedarfen der betroffenen Familien und Einzelpersonen entspricht, so unter anderem Teopista Onzia, Direktorin von CEPAD Westnile.

Das Welternährungsprogramm (WFP) habe laut Michael Bruce festgestellt, daß die für dieses Jahr zugesagten Finanzmittel weit hinter den Erwartungen zurückbleiben. Fraglich sei, ob das neue Modell der Lebensmittelrationierung entsprechend der Bedürftigkeit überhaupt umzusetzen sei. WFP gehe derzeit davon aus, dass bereits im Oktober 2023 überhaupt keine Mittel mehr für die Lebensmittelverteilung zur Verfügung stehen würden, und dies bei der derzeitigen, bereits stark reduzierten Rationierung der Versorgung mit Lebensmitteln von 28-40 % des vollen Tagesbedarfs eines Menschen.

"Wir sind sehr besorgt über die Auswirkungen und die negativen Bewältigungsmechanismen", betont Michael Bruce. Auswirkungen auf die psychische Gesundheit, sekundäre Vertreibung, Kinderarbeit, Menschenhandel, Betteln, Zwangsverheiratung und zunehmende Verschuldung von Familien seien nur einige der Folgen. Das UNHCR Kenia habe bereits von Flüchtlingen berichtet, die wegen Nahrungsmittelknappheit aus Uganda in Lager in Kenia umgesiedelt seien.