21. Dezember 2020

In Vorbereitung: EDP zu Flucht, sozialer Zusammenhalt und Resilienz in Uganda

©JRS

„In Uganda sterben die Menschen nicht an Corona sondern an Hunger;“ stellte der Jesuit Frido Pflüger, Direktor des Jesuit Refugee Service Uganda, in einem Telefonat mit dem EDP e.V. bereits im April fest. Vor dem Hintergrund der Erfahrungen mit Ebola verhängte die Regierung einen der weltweit härtesten Lockdowns, der ausgerechnet die gesundheitliche Versorgung massiv beeinträchtigte.

Pflüger‘s Team hat von März bis Mai und unter Einhaltung von Corona-Infektionsschutzregeln allein in Kampala jeden Tag mehrere Hundert Menschen mit Nahrungsmitteln versorgt; finanziert aus Spendenmitteln, die eigentlich ein ganzes Jahr hätten reichen sollen und u.a. für Berufliche Bildung vorgesehen waren. Alle Schulen und Bildungseinrichtungen mussten jedoch schließen, auch die Trainingsmaßnahmen für Flüchtlinge mussten eingestellt werden.
Trotz dieser und anderer, sehr grundsätzlicher Entwicklungsherausforderungen: Uganda beherbergt eine der höchsten Flüchtlingsbevölkerungen in Afrika. Gleichzeitig gilt die autoritär regierte Präsidialrepublik als ein Vorbild in der Flüchtlingsarbeit. Uganda verfolgt eine ‚no-camp policy‘: Von den mehr als 1.4 Millionen Flüchtlingen – die meisten aus dem Südsudan – leben ca. 94 % in Siedlungen. Viele können zumindest ein kleines Stück Land bewirtschaften, das ihnen zugeteilt wurde. Die Flüchtlingsarbeit wird im Rahmen des Comprehensive Refugee Response Framework (CRRF) vom Büro des Premierministers koordiniert; zahlreiche staatliche und einige zivilgesellschaftliche Stakeholder arbeiten hier mit Regierung und dem UN-Flüchtlingshilfswerk (UNHCR Uganda) zusammen.

Auch in Zeiten einer Polypandemie (Münchner Sicherheitskonferenz) gilt die gemeinsame Verantwortung der Staatengemeinschaft für die Opfer von Vertreibung, Gewalt und Krieg. Doch wie macht man das, dieser schier unlösbaren Aufgabe gerecht zu werden? „How do you begin to heal a war-torn community?” – wie ICAN fragt; eine Selbsthilfeorganisation von Flüchtlingen in der Bidibidi Siedlung von Flüchtlingen aus dem Südsudan in Nordost Uganda, mit der die Misereor Dialog- und Verbindungsstelle kooperiert. Flüchtlinge sind nicht nur Empfänger von Hilfeleistungen. Sie haben Potentiale und wollen diese konstruktiv in die aufnehmende Gesellschaft einbringen. Dem Gehör zu verschaffen und Menschen mit Fluchterfahrungen „ein Gesicht“ zu geben, ist ein zentrales Motiv der Exposure- und Dialogprogramme.

Die Angebote des EDP e.V. werden im Jahr 2021 und Anfang 2022 das Land Uganda, den sozialen Zusammenhalt in der ugandischen Gesellschaft und die Möglichkeiten von Entwicklungs- und Flüchtlingsarbeit in den aufnehmenden Gemeinden besonders in den Blick nehmen. Denn Deutschland hat nicht nur ein Interesse daran, dass die finanziellen Beiträge zur Flüchtlingsarbeit zielgerichtet und wirksam eingesetzt werden; es gestaltet sie im Rahmen der Entwicklungs-zusammenarbeit in großem Umfang mit.

Wir freuen uns darüber, dass die Gesellschaft für Internationale Entwicklung (GIZ) den Exposure- und Dialogprogramme e.V., beauftragt hat, einen Dialog- und Lernprozess zur Situation von Flüchtlingen und aufnehmenden Gemeinden in Uganda zu gestalten.

Persönliche Begegnung: Das Programm umfasst verschiedene Veranstaltungen zur Hinführung und fachlichen Vorbereitung eines in Corona-Zeiten besonders wertvoll gewordenen Elementes – persönliche Begegnung. Geplant für den Zeitraum 20.-27. Februar 2022 lernen Schlüsselpersonen aus Deutschland und aus internationalen Organisationen Flüchtlinge sowie Akteure und Akteurinnen der Flüchtlingsarbeit kennen. Die Besucherinnen und Besucher tauchen ein in die Lebensumstände vor Ort und erhalten tiefgehende Einblicke in die Flüchtlingsarbeit und die Potentiale der Menschen.

Zielsetzung: Das Programm will relevanten Akteurinnen und Akteuren im Themenfeld „Flucht und sozialer Zusammenhalt“ politisches und fachliches Gehör verschaffen, ihre Arbeit helfen zu würdigen und Impulse zur Weiterentwicklung der Flüchtlingsarbeit zu generieren. Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträger aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft sowohl aus Deutschland und Europa als auch aus Uganda sollen neue Handlungsoptionen für ihre jeweiligen Verantwortungsbereiche ableiten können.

Eine Übersicht zu den geplanten Veranstaltungen wird separat bekannt gegeben.


Das Vorhaben wird gefördert durch das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ).